Was Sichtbarkeit mit Verantwortung zu tun hat

Kategorie: Haltung & Sichtbarkeit 2025

Ich bin Führungskraft. Und ich bin schwul.

Beides gehört zu mir. Doch beides war nicht immer gleich sichtbar.

Unsichtbarkeit schützt nicht – sie trennt

In den ersten Jahren meiner Karriere habe ich gelernt, mich anzupassen. Nicht, weil ich mich verstecken wollte – sondern weil ich dachte, es sei professionell. Privat ist privat. Und wer zu viel von sich zeigt, macht sich angreifbar.

Doch mit der Zeit habe ich erkannt: Unsichtbarkeit schützt nicht – sie trennt.

Sie trennt mich von meinen Kolleg:innen. Sie macht falsch scheinbare Kompromisse normal. Und sie zeigt letztlich meinen Teams: Es ist nicht sicher, ganz du selbst zu sein.

Sichtbarkeit ist kein Selbstzweck

Das heißt nicht, dass ich mit meiner Sexualität hausieren gehe. Aber es heißt, dass ich nicht aktiv lüge. Dass ich Fragen ehrlich beantworte. Dass meine Kolleg:innen wissen, wer ich bin – und nicht raten müssen.

Das beste Beispiel: Ein schwules Paar trat nach einem Meeting in den Flur. Kurz und normal. Einer meiner Kollegen sah das, und plötzlich wurde ihm klar: „Ah – deswegen spricht er so authentisch über Vielfalt."

Keine großen Worte. Nur die Realität.

Authentizität schafft Raum

Das Merkwürdige: Seitdem ich sichtbarer bin, passiert mehr. Menschen trauen sich, ihre eigenen Wahrheiten zu erzählen. Nicht, weil ich sie dazu auffordere. Sondern weil ich gezeigt habe: Es ist hier sicher, du zu sein.

Das ist echte Führung. Nicht durch Anweisung. Sondern durch Präsenz.

Die beste Version von mir

Mir geht es heute nicht um Aktivismus oder große Statements. Es geht um das, was ich meine Mutter vor Jahren sagen hörte: „Sei einfach du selbst. Das ist genug."

In meinen Interviews sage ich: „Das beste, was passieren konnte, ist, dass meinen Kollegen meine Sexualität egal ist." Und das ist wahr. Ich will keine Extrapunkte. Ich will Normalität. Und ich will, dass andere das auch haben.

Sichtbarkeit bedeutet für mich nicht Lautstärke. Es bedeutet: Ehrlichkeit. Und ein stilles Zeichen an andere: Du darfst hier sein, wie du bist.